Ein Assessment Center besteht aus Arbeitssimulationen.
Nutzen
Ob ein bestimmtes Verhalten geeignet ist oder nicht, wird u. a. durch die Rahmenbedingungen der Aufgabensituationen bestimmt. Deshalb kann Verhalten nur im situativen Kontext realistisch beobachtet und beurteilt werden. Um eine Prognose über die Eignung eines Bewerbers auf eine bestimmte Zielfunktion treffen zu können, müssen Aufgaben und Arbeitssituationen so realistisch wie möglich nachgestellt werden. Die AC-Übungen simulieren Arbeitssituationen, die im Arbeitsalltag eines Inhabers der Zielfunktion über dessen Erfolg oder Misserfolg entscheiden.
Umsetzung
- Alle eingesetzten Verfahren müssen auf den Ergebnissen der Arbeits- und Anforderungsanalyse aufbauen. Sie müssen eine grosse Spannbreite des erfolgskritischen Verhaltens beobachtbar machen und pro Anforderung mehrfache Beobachtungschancen bieten.
- In einem AC müssen mindestens drei verschiedenartige Arbeitssituationensimuliert werden.
- Übungsmaterialien und Instruktionen für Teilnehmende müssen vollständig ausgearbeitet sein, um die Ziele und erwarteten Ergebnisse der Übung klarzustellen und den Teilnehmenden klare Handlungsorientierungen zu bieten.
- Jede Anforderung muss in mindestens zwei Übungen erfasst werden (Redundanzprinzip).
- Werden Rollenspielende eingesetzt, sind klare Anweisungen zu formulieren, die einerseits ein standardisiertes Schwierigkeitsniveau sicherstellen, andererseits ein situationsangemessenes Eingehen auf den Kandidaten ermöglichen. Darüber hinaus werden die Rollenspielenden in einer Schulung auf ihren Einsatz vorbereitet.
- In ein AC werden Nicht-Simulationen (Tests, Interviews) nur dann eingebunden, wenn Anforderungen durch Simulationen nur unzureichend erfasst werden können.
- Alle neu entwickelten Übungen werden vor ihrem tatsächlichen Einsatz in einem AC hinsichtlich ihrer Tauglichkeit in Probeläufen mit dafür geeigneten Personen praktisch überprüft.
Verstösse
- Der Einsatz von Übungen, die die Anforderungen der Zielposition nicht
widerspiegeln, die nichts mit der Realität der Zielposition zu tun haben bzw. beidem nicht gerecht werden (ethisch bedenkliche oder unangemessene Spielchen wie „NASA-Übung“, „Überlebenstraining“ etc.) oder Meinungsabfragen als Verhaltensstichproben ausgeben. - Unreflektierter Einsatz von Tests, Computersimulationen oder vorhandenen
bzw. eingekauften AC-Übungen. - Die Überbetonung bestimmter Übungstypen aus Ökonomiegründen (z.B.
Gruppendiskussionen). - Einsatz von Methoden, in denen der Simulationscharakter lediglich gedacht
erfolgen kann, z.B. „wie würden Sie sich verhalten, wenn…“, obwohl eine
konkrete Simulation sinnvoll und möglich ist. - Die Vorgabe eines Beobachtungsmerkmals, das in der Übung nicht hinreichend
beobachtet werden kann, z.B. Beobachtung des Kriteriums „Lernfähigkeit“ in
einer Gruppendiskussion. - Instruktionen für Teilnehmende enthalten Verhaltensaufträge (z.B. „Verhalten Sie sich zurückhaltend“) – dadurch wird die Simulation zum Schauspiel.
Alle Inhalte
- Vorbemerkung
- Ziele der Standards
- Aufbau der Standards
- Standard 1: Auftragsklärung und Vernetzung
- Standard 2: Arbeits- und Anforderungsanalyse
- Standard 3: Übungskonstruktion
- Standard 4: Beobachtung und Bewertung
- Standard 5: Beobachtende auswählen und vorbereiten
- Standard 6: Vorauswahl und Vorbereitung der potenziellen Teilnehmenden
- Standard 7: Vorbereitung und Durchführung
- Standard 8: Feedback und Folgemassnahmen
- Standard 9: Evaluation